Rezension „Wir in 3 Worten“ – Mhairi McFarlane

Cover - Wir in 3 WortenIch bin auch müde, aber nicht von den fünf Tagen Arbeit. Ich bin erschöpft von dem ständigen Bemühen, so zu tun, als ob. Wir stehen kurz davor, Tausende Pfund für diese Heuchelei auszugeben, vor all den Leuten, die uns am besten kennen. Bei der Aussicht darauf wird mir furchtbar mulmig. Das Dumme ist nur, dass Rhys’ Verständnislosigkeit nachvollziehbar ist. Er verhält sich wie üblich. Alles wie gehabt. Irgendetwas in mir ist gebrochen. Ein Teil meiner Maschinerie hat den Geist aufgegeben, so wie ein zuverlässiges Gerät, das läuft und läuft, bis es eines Tages ganz plötzlich streikt. »Es ist keine gute Idee zu heiraten. Punkt«, sage ich.

Wir in 3 Worten (englisches Original: You had me at hello) ist der Debutroman von Autorin Mhairi McFarlane und bereits 2013 erschienen.

Inhalt:

Ben und Rachel waren in der Uni die besten Freunde. Rein platonisch natürlich. In der Nacht des Abschlussballs kam es jedoch zu einem Zwischenfall, der nachhaltig dafür gesorgt hat, dass die beiden sich aus den Augen verlieren. Jetzt – 10 Jahre später – tritt Ben unverhofft wieder in Rachels Leben. Die hat allerdings gerade andere Probleme. Im Job läuft alles schief und sie hat sich gerade erst von ihrem Langzeitverlobten Rhys getrennt. Was wird aus Rachel und Ben werden?

Meine Meinung:

Plot und Erzähltechnik: Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen: Der Gegenwart und Rachels und Bens Unizeit. Dementsprechend ist der Gegenwart-Part im Präsens geschrieben, während die Passagen aus der Vergangenheit auch in der Vergangenheitsform erzählt werden. Ich weiß, an diesen Zeitsprüngen und auch an der Schreibweise im Präsens scheiden sich die Geister. Ich finde aber, gerade für die Erzählform und das Genre funktioniert es hervorragend und ist auch nicht verwirrend, sobald man sich eingefunden hat. Der Fokus liegt dabei auf Rachel als Ich-Erzählerin.

Besonders schön ist: Obwohl man sich als Leserin natürlich irgendwie denken kann, wie dieser „Zwischenfall“ in der Abschlussballnacht ausgesehen hat, erfährt man bis zum Schluss des Buches nicht genau, was sich zugetragen hat. So bleibt die Spannung durchgängig hoch. Außerdem bildet der Erzählstrang rund um Rachels berufliche Probleme und ihre Freunde eine erfrischende Abwechslung.

Charaktere:

Rachel: Die Protagonistin ist ein durchgängig glaubhafter Charakter, in den man sich gut hineinversetzen kann. Sie ist sympathisch und erstaunlich wenig vorhersehbar, wobei sie aber immer schlüssig handelt.

Ben: Ben ist mir persönlich etwas zu aalglatt. Er ist der klassische Schönling mit einem guten Herzen, das er hinter viel Arroganz versteckt. Trotzdem ist er natürlich ein passender Charakter für diese Geschichte.

Rhys: Rachels Ex-Verlobter ist ein richtig unsympathischer Drecksack. So sehr, dass man sich an manchen Stellen schon fragt, warum die beiden überhaupt so lange zusammen geblieben sind.

Rachels Freunde: Die Freunde der Protagonistin sind mein persönliches Highlight. Witzig, verrückt und mit viel Liebe zum Detail geschrieben, geben sie der Story den nötigen Pfeffer.

Sprache: Ich-Perspektive und Präsens ist für viele ein sofortiges Ausschluss-Kriterium; ich verstehe allerdings nicht so ganz, wieso. In diesem Roman funktioniert die Kombi wunderbar und durch McFarlanes amüsanten Schreibstil wird das Buch nie langweilig.

Fazit: „Wir in 3 Worten“ ist ein gelungenes Debut und eine rundum runde Sache.

Deswegen gibt es 5 von 5 Federkielen.

 

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