Rezension „Origin“ – Dan Brown

Schließlich waren die gefährlichsten Männer auf Erden immer und zu allen Zeiten Männer des Glaubens gewesen – insbesondere, wenn ihre Götter bedroht wurden.

Inhalt:

„Origin“ ist der fünfte Robert Langdon-Roman, also geht es inhaltlich natürlich wieder um den sympathischen Symbolologen mit einer Schwäche für Mickey Maus Armbanduhren. Und selbstverständlich – auch das kennt der Leser schon – um seinen wunderschönen und intelligenten Sidekick. Auch in diesem Fall wieder eine Frau.

Dieses Mal wird Robert von seinem ehemaligen Studenten Edmond Kirsch zu einer äußerst exklusiven Präsentation in das Guggenheim Museum von Bilboa eingeladen. Kirsch ist Futurologe und Computerwissenschaftler und behauptet nichts weniger, als die beiden grundlegendsten Fragen der Menschheit klären zu können: Woher kommen wir? Und: Wohin gehen wir? Die Beantwortung dieser Fragen hätte nicht absehbare Konsequenzen – nicht für die Menschheit an sich, sondern auch für die Weltreligionen, die bisher die Beantwortung dieser Fragen für sich beansprucht haben. Von Gott und zu Gott. Bevor Kirsch seinem Publikum jedoch die mit Hochspannung erwarteten Antworten liefern kann, wird er auf der Bühne von einem Attentäter erschossen. Langdon versucht nun – zusammen mit der Museumsdirektorin Ambra Vidal und einer von Kirsch erschaffenen künstlichen Intelligenz namens Winston – Kirschs Geheimnis auf die Spur zu kommen und die von Kirsch vorbereitete Präsentation der Weltöffentlichkeit zu zeigen. Gejagt werden die beiden nicht nur von der Poilzei, sondern auch von fanatischen Religiösen und dem spanischen Königshaus selbst.

Meine Meinung:

Plot und Erzähltechnik: Wie für Dan Brown üblich wird der überwiegende Teil der Geschichte mit Fokus auf Langdon erzählt. Es gibt aber immer wieder Einschübe, die sich auf andere Personen fokussieren und die Spannung erhöhen sollen. Das funktioniert. Der Leser erfährt viel über den Hintergrund des Antagonisten, was mir gut gefällt, da man seine Taten auf diese Weise gut nachvollziehen kann. Wie für Brown üblich, sind die Antagonisten nicht nur „böse“.

Wie jedes Mal war ich absolut begeistert von der Masse an Recherche, die Brown in sein Buch gesteckt hat. Die Auflösung, die er dem Leser am Ende präsentiert, könnte ohne Weiteres als wissenschaftliche Tatsache durchgehen, so schlüssig und logisch argumentiert er. Auch die Einbindung wissenschaftlicher Größen wie Darwin, Churchill und Blake schadet sicherlich nicht. Wie schon bei den Vorgängerbüchern denkt man am Ende: „Joa, so könnte es tatsächlich gewesen sein“.

Und auch die detaillierte Beschreibung ikonischer Gebäude – hier die Sagrada Familia in Barcelona – sucht ihresgleichen. Den generellen Twist, der dem Buche zugrunde liegt – Religion gegen Atheismus – finde ich persönlich ebenfalls überaus spannend. Leider hat Brown dieses Buch zum Schluss auf eine Weise enden lassen, die mir etwas gegen den Strich geht. Meiner Meinung nach zieht er seine Erzählung nicht konsequent durch.

Charaktere:

Ambra Vidal: Langdons Sidekick ist eine gute Freundin des ermordeten Edmind Kirsch und so ganz nebenbei auch die Verlobte des spanischen Prinzen. Wie immer ist sie schön, klug und mutig…. ähm gähn.

Winston: Die von Edmond Kirsch erschaffene KI. Definitiv mein Lieblingscharakter. Es lässt einem Schauer über den Rücken laufen, wenn man sich zwischendurch daran erinnert, dass Winston „nur“ ein Computer ist.

Edmond Kirsch: Der exzentrische Futurologe, der über eine unfassbare Intelligenz und Arroganz verfügt. Der Leser lernt ihn hauptsächlich über Langdons Erinnerungen an seinen früheren Schüler kennen.

Sprache: Ich weiß, es wird kontrovers diskutiert, aber für mich ist Dan Brown ein großartiger Schriftsteller. Ich mag seine Beschreibungen, die auf andere langatmig wirken können, und seine Art des Spannungsaufbaus. Auch die ihm vielfach vorgeworfenen statischen Charaktere kann ich so nicht finden. Man darf eben nicht vergessen, dass Brown-Romane grundsätzlich nur einen sehr kurzen Zeitraum abdecken. Wer entwickelt sich schon in zwei Tagen zu einem komplett anderen Menschen?

Fazit: „Origin“ ist für mich wieder ein wahnsinnig toller Pageturner aus dem Hause Brown. Sein Schwerpunkt auf Kunst, Kultur und Religion und seine Phantasie, verflochten mit Wissenschaft, hat mich auch dieses Mal wieder zum Staunen gebracht. Leider kommt er nicht ganz an die beiden Großen – „Illuminati“ und „Sakrileg“ – heran.

Deshalb gibt es für „Origin“ 4 von 5 Federkielen.

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