Rezension „My not so perfect life“ – Sophie Kinsella

Cover - My not so perfect life
Frag nicht nach Sonnenschein von Sophie Kinsella

First: it could be worse. As commutes go, it could be a lot worse, and I must keep remembering this. Second: it’s worth it. I want to live in London; I want to do this; and commuting is part of the deal. It’s part fo the London experience, like Tate Modern.

Vorab sei gesagt, dass ich das Buch im englischen Original gelesen habe. Die Rezi bezieht sich daher auf diese Version. Der deutsche Titel ist „Frag nicht nach Sonnenschein“.

Inhalt:

Katie Brenner ist ein Mädchen aus Somerset, das verzweifelt versucht, sich in der Londoner Marketing- und Werbungsszene einen Namen zu machen. Leider klappt das nur so semi-gut. Sie wohnt in einem winzigen WG-Zimmer, das so vollgestopft ist, dass sie ihre Klamotten in einer Hängematte über dem Bett lagern muss, hat jeden Tag eine 1,5-stündige Anreise zu ihrem Job und auch der Job selbst ist alles andere als glamourös. Sie ist kaum mehr als eine bessere Praktikantin in einer Branding-Agentur und ihre Chefin kann sich nicht einmal ihren Namen merken. Besagte Chefin – Demeter – hingegen scheint alles zu haben. Den Job, das Geld, den Style, die Familie und sogar einen Lover, auf den auch Katie heimlich ein Auge geworfen hat. Als Katie dann auch noch gekündigt wird, bricht ihre Welt vollends zusammen. Geschlagen muss sie zurück nach Somerset und ihrem abgedrehten Vater dabei helfen, eine „Glamping-Farm“ aufzuziehen, statt auf High Heels London zu erobern. Als sich Demeter jedoch als Gast ankündigt, sieht Katie ihre Chance auf Rache gekommen.

Meine Meinung:

Plot und Erzähltechnik: Das Buch ist in der ersten Person aus Katies Perspektive geschrieben. Es ist unterteilt in zwei Abschnitte – einem der in London spielt und einem in Somerset. Gut gefallen hat mir die Einbindung von Instagram, als eine Plattform, auf der jeder versucht, sein Leben etwas perfekter darzustellen, als es eigentlich ist. Es ist wirklich interessant, vor Augen geführt zu bekommen, was wir für das „perfekte Foto“ alles auf uns nehmen.

Die Liebesgeschichte, die natürlich unvermeidbar ist, ist hier nicht zentral, sondern eher eine Randerzählung und auch das gefällt mir gut. Hier geht es um Katie, ihre Gedanken, Hoffnungen und ihre Entwicklung und der Fokus ist gut gesetzt. Man wird nicht durch schnöde Romantik abgelenkt.

Charaktere:

Katie oder Cat, wie sie sich in London nennt, ist die Prota des Romans. Ich konnte mich sehr gut mit ihr identifizieren. Gerade von der Uni gekommen, hat sie natürlich den Traum, dass ihr Leben jetzt endlich so stylisch und glamourös wird, wie sie es sich immer vorgestellt hat. Nach und nach erkennt sie, dass das nicht der Fall ist, aber sie gibt trotzdem nicht auf. Auch wenn ihr Instagram-Feed eine andere Geschichte erzählt, kämpft sie sich durch den harten Alltag und lässt sich nicht beirren. Die Entwicklung, die sie während des Romans durchmacht, ist glaubhaft und angenehm mitzuverfolgen.

Demeter wird als gestresste, herrische und leicht schusselige Chefin dargestellt. Der Alptraum jedes Mitarbeiters. Im Laufe der Erzählung kommt jedoch heraus, dass sie zwei Seiten hat, beziehungsweise oftmals nicht als die Person wahrgenommen wird, die sie eigentlich ist. Das fand ich schon etwas weniger glaubhaft. Klar, jeder gibt sich auf der Arbeit anders als privat, aber bei Demeter liegen tatsächlich Welten zwischen ihren beiden Personas. Auch wenn ich gerne glauben möchte, dass es im wahren Leben auch so sein kann, bin ich leider nicht restlos überzeugt.

Alex ist Katies oberster Chef, sieht unglaublich gut aus und hat Katie mit seinem jungenhaften Charme verzaubert. Leider ist er genauso erfolgreich wie rastlos und kann sich nicht vorstellen, lange an einem Ort zu bleiben – auch nicht für oder mit Katie. Er ist ein typischer „Sohn von reichen Eltern“, bemüht sich aber eigentlich, davon loszukommen – was auch schon wieder ein wenig klischeehaft ist. Da ich die Geschichte von Alex und Katie nicht spoilern möchte, belasse ich es an dieser Stelle dabei.

Sprache: Kinsella schreibt locker und lustig mit einem guten Schlag Romcom. Genau so eigentlich, wie wir Chicklit lieben. Die Art und Wiese, wie sie sowohl London als auch Somerset beschreibt, gibt einem das Gefühl, selbst dort zu sein. Unglaublich lebendig und detailreich.

Fazit: Ein lustiges, leichtes und zauberhaftes Buch von Sophie Kinsella. Leider sind mir die Charaktere an einigen Stellen zu stereotypisch und an anderen etwas unglaubhaft. Der Geschichte tut das jedoch überhaupt keinen Abbruch.

Daher gibt es für „My not so perfect life“ 4 von 5 Federkielen:

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