Rezension „Die unsichtbare Bibliothek“ – Genevieve Cogman

Die unsichtbare BibliothekPlötzlich gab es einen explosionsartigen Krach, der anzeigte, dass es Irenes Verfolgern gelungen war einzutreten. Sie nahm sich noch einen Augenblick des Bedauerns, dass sie nicht die Zeit gehabt hatte, sich noch irgendwelche anderen Bücher zu schnappen. Dann schritt sie rasch hindurch. Als hinter ihr der Verriegelungsmechanismus zuschnappte, wurde die Tür wieder ein bestandteil der Welt, die Irene gerade hinter sich gelassen hatte. Und ganz egal, wie viele Male ihre Verfolger die Tür nun aufrissen, sie würde sich immer nur in das Büro hinein öffnen, zu dem sie urprünglich gehörte.

 

„Die unsichtbare Bibliothek“ ist der erste Teil einer Reihe.

Inhalt:

Irene ist Bibliothekarin, aber nicht, wie man sich das vorstellt mit grauen Haaren, strengem Dutt und schmaler Lesebrille. In dieser Geschichte ist die Bibliothek ein Ort, der zwischen verschiedenen Paralleluniversen liegt und die Bibliothekare sind Agenten, deren Auftrag es ist, seltene Bücher aus allen Paralleluniversen zusammenzutragen. So soll das Wissen konserviert werden. Dabei bedienen die Bibliothekare sich der Sprache. Eine Art Magie, die darin besteht, dem Universum mittels genauem Spracheinsatz Befehle zu erteilen. Ein besonderer Auftrag, nämlich eine Ausgabe der Grimm’schen Märchen zu besorgen, führt Irene und ihren Schüler Kai in eine vom Chaos verseuchte Welt. Schnell wird der einfache Auftrag zu einem Rennen auf Leben und Tod.

Meine Meinung:

Plot und Erzähltechnik: Geschrieben wird durchgängig aus der dritten Person mit einem Fokus auf Irene und ihre Gefühlswelt. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Idee hinter dem Buch, also die Annahme, das potenziell unendliche viele Welten parallel existieren, in denen jeweils eine Winzigkeit anders ist, als wir es gewohnt sind.

Die Welt, in der dieses spezielle Abenteuer spielt, hat dabei eindeutig einen gehörigen Schlag Steam Punk abbekommen. Mit Vampiren und Elfen, die als gesellschaftlich anerkannte Wesen unter normalen Bürgern leben. Da gibt es Zeppeline, die eins der Hauptfortbewegungsmittel darstellen, riesige mechanische Insekten, die als Waffen dienen, und das Ganze spielt in einem viktorianisch angehauchten London. Das Setting ist meiner Meinung nach fantastisch.

Was mir nicht gut gefallen hat, ist der Spannungsbogen, der nämlich irgendwie nicht vorhanden ist. Der Leser wird bombardiert mit Hinweisen auf eine große Enthüllung, die noch folgen wird, diese bleibt aber aus. Ich hatte sowieso Schwierigkeiten den verworrenen Gedankengängen der Protagonisten zu folgen und auf dieselben Schlussfolgerungen zu kommen. Figuren, die den Anschein machen, Schlüsselfiguren zu sein, werden eingeführt und dann nicht weiter beachtet usw.

Charaktere:

Irene ist die weibliche Protagonistin des Buches. Wie bereits erwähnt, ist sie Bibliothekarin und ihre Aufgabe ist es, das Buch zu finden und in die Bibliothek zu bringen. Sie wird als sehr klug, gerissen und mutig beschrieben und ist alles in allem ein glaubwürdiger Charakter, der auch detailliert dargestellt wird.

Kai ist Irenes Schüler. Er ist überaus gutaussehend und hat etwas Übernatürliches an sich, das im Laufe des Buches mehr und mehr Gestalt annimmt.

Vale ist der Sherlock Holmes des Romans. Ein berühmter Detektiv, der in der Parallelwelt lebt und wirkt. Er verfügt über eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe und bei ihm macht es sogar Spaß mitzurätseln und zu grübeln.

Bradamant ist ebenfalls Bibliothekarin und Irenes größte Konkurrentin. Die beiden haben einen ausgeprägten Hass aufeinander, aber hier zeigt sich wieder das, was ich bereits bemängelt habe. So richtig versteht man als Leser nicht, warum das der Fall ist. Es wird zwar eine kurze Erläuterung gegeben, aber die Art und Weise, wie die Abneigung der beiden beschrieben wird, hätte etwas viel Dramatischeres vermuten lassen.

Alberich ist der Antagonist. Ein abtrünniger Bibliothekar, der ebenfalls versucht, das Buch in seinen Besitz zu bringen. Auch hier hätte ich mir als Leser mehr Informationen gewünscht. Warum genau wurde er zum Verräter? Wie ist er an seine Macht gelangt? Alles Fragen, die hoffentlich in den nächsten Teilen noch beantwortet werden.

Sprache: So, jetzt kommen wir zum eigentlichen Problem des Buches, oder zumindest der deutschen Übersetzung. Hier liegt vielleicht auch der Grund dafür, dass ich als Leserin manchmal Probleme hatte, zu folgen. Meiner Meinung nach ist „Die unsichtbare Bibliothek“ ein Beispiel für eine schlechte Übersetzung. Zu oft ist mal schnell dem Wortlaut nach 1 zu 1 übersetzt worden und das funktioniert einfach nicht. Vielleicht geht deshalb auch die Spannung flöten. Außerdem gibt es einen Haufen logischer Probleme (Jemand lässt sich zweimal hintereinander in denselben Sessel fallen usw.). Ich würde das Buch gerne noch einmal im englischen Original lesen, um mir ein differenziertes Bild machen zu können.

So gibt es für „Die unsichtbare Bibliothek“ leider nur 2 von 5 Federkielen:

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