Die Heldenreise-Teil 1

Die Heldenreise

Wenn man erst einmal den Mammutentschluss “Ich schreibe einen Roman” gefasst hat, beginnt die eigentliche Arbeit vor der Arbeit. Denn bevor überhaupt das erste Wort geschrieben werden kann, muss man sich natürlich um den Plot kümmern, Charaktere ausarbeiten, Setting auswählen… die Liste könnte lang werden, deswegen höre ich hier auf.

Die gute Nachricht ist aber: Zumindest bei der Vorlage für den Plot gibt es heldenhafte Hilfe und zwar in Form der Heldenreise. Sie liegt Bestsellern ebenso zugrunde wie Hollywoodfilmen. Wenn du einmal gelesen hast, wie sie sich zusammensetzt, wirst du die einzelnen Etappen überall wiederfinden, sei es im „König der Löwen“ oder in „Stirb Langsam“.

Die Heldenreise kann dir also helfen, deine Geschichte zu gliedern und ihr einen vernünftigen Spannungsbogen zu geben, den du beliebig füllen kannst. Also, auf geht’s:

  1. Die gewohnte Umgebung

Am Anfang jeder Geschichte wollen wir natürlich den Helden erst einmal vorstellen beziehungsweise kennenlernen. Und welcher Ort wäre dafür besser geeignet als die Welt, in der sich dein Held normalerweise befindet? Du stellst ihn also dar, bei seinem alltäglichen Leben, mit seinen Hobbies, seinen Freunden, seiner Familie. Zu wem hat er ein gutes Verhältnis? Mit wem steht er wie in einer Beziehung und warum?

Aber: In der gewohnten Welt ist es natürlich auch etwas – nun ja – gewöhnlich. Irgendwas fehlt deinem Helden, mit irgendwas ist er unzufrieden. Deine Story sollte in dem Moment einsetzen, in dem ihm das auffällt (oder wenn es eben einfach anfängt, ihn ganz besonders zu nerven). Ein Buch kann oder sollte nicht die ersten 50 Seiten ausschließlich davon handeln, dass der Protagonist ein tolles Leben führt und rundum zufrieden ist. Da ist die Chance groß, dass deine Leser es gar nicht erst bis zur Seite 51 schaffen. Behalte also im Hinterkopf: Die Heldenreise beginnt immer zum letztmöglichen Zeitpunkt im normalen Leben, bevor etwas Außergewöhnliches passiert!

Nehmen wir mal Harry Potter als Beispiel. Wir lernen ihn bei seinem relativ ätzenden Leben bei den Dursleys kennen. Dass ihm irgendwas fehlt ist mehr als offensichtlich (zum Beispiel ein Zimmer, das keine Decke hat, die aus Treppenstufen besteht), aber einen konkreten Plan zum Ausbrechen hat Harry noch nicht. Bis … und da kommen wir schon zu Punkt 2.

  1. Der Ruf zum Abenteuer (Call to Adventure)

Irgendwas passiert! Das kann ein „Jippie“-Moment sein (siehe Harrys glückliches Gesicht, nachdem Hagrid die Tür der kleinen Holzhütte zum Erliegen gebracht hat), es kann allerdings auch ein Unglück eintreten (ein naher Verwandter deines Helden hat einen Unfall, stirbt, wird krank, oder – etwas weniger dramatisch – er wird sitzen gelassen). Lass deiner Fantasie freien Lauf.

Klar ist nur, nachdem dein Held den Ruf zum Abenteuer vernommen hat, ist nichts mehr so wie es mal war. Die gewohnte Welt ist futsch.

  1. Die Verweigerung des Rufes

Aber, ach, der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und so ein Abenteuer bringt Stress und Anstrengung mit sich und wer weiß, ob es am Ende was nutzt. Also bleibt dein Held natürlich erst einmal wo und wie er ist und versucht den Ruf zu ignorieren oder eben zu verweigern. Es liegt ja auch irgendwie in der Natur des Menschen: Wir warten erst einmal ab und schauen ob andere vielleicht den Weg gehen, dann kann ich einfach hinterher huschen. Ja ja, aber so wird natürlich kein Held aus deinem Helden.

Wie du ihn doch noch dazu bringst, die Hufe zu schwingen, verrate ich dir beim nächsten Mal!

3 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben! War interessant zu lesen. 🙂

    Liebe Grüße
    Lisa

  2. Auch Heldinnenreisen können so beginnen. 😊 Ich lese viel und klarerweise fast immer mit dem Schema, das Du so klärend und humorvoll vor Augen führst. Sehr inspirierend, auch wenn ich selbdtkeinen Roman schreiben werde Lg

  3. Sehr schöner Blogpost! Ich mag deine Schreibweise! 🙂

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