Rezension: „Du bist mein Stern“ – Paige Toon

Du bist mein Stern - Cover
Quelle: Fischer Verlag

Verdammt. Ich stehe nicht auf Johnny Jefferson. Nein, das tu ich nicht. Ganz bestimmt nicht. Das sage ich mir schon, seit ich heute Morgen um sechs aufgewacht bin und mir dieser verdammte Johnny Jefferson nicht mehr aus dem Kopf ging. Er ist gestern Abend nicht nach Hause gekommen, und ich habe nicht gut geschlafen.

 

 

 

„Du bist mein Stern“ (OT: „Johnny Be Good“) ist Paige Toons erster Roman aus der Johnny Jefferson-Reihe, die sie bis heute mit Büchern über Johnnys Tochter fortführt. Übersetzt  aus dem Englischen wurde der Roman von Birgit Schmitz.

Inhalt:

Meg ist völlig überrumpelt. Bis gerade eben hat sie noch für eine mäßig bekannte Architektin gearbeitet und plötzlich soll sie die Persönliche Assistentin von Johnny Jefferson werden, DEM Mega-Rockstar überhaupt. Natürlich muss Meg nicht lange überlegen und nimmt das Angebot an – und damit einen Haufen kleinerer und größerer Probleme. Johnny ist nämlich leider genauso, wie man sich einen Superstar vorstellt: unglaublich heiß, aber auch unnahbar, sprunghaft und – hat eine Drogenvergangenheit. Sein bester Freund Christian hingegen ist völlig anders. Bodenständig, lustig und eigentlich die perfekte Wahl, aber Meg kann sich einfach nicht von Johnny loseisen…

Meine Meinung:

Plot und Erzähltechnik: Die Geschichte rund um L.A., das Leben der Schönen und Reichen und deren Probleme – kurz, eine ganz eigene Darstellung des La-La-Land(s) – wird aus Megs Perspektive erzählt. Das hat mir als Leser definitiv geholfen, mich in die Geschichte einzufinden, denn Meg wird direkt aus einem bodenständigen Leben in England gerissen, nach Amerika verfrachtet und kennt sich in der glitzernden Welt Kaliforniens genauso wenig aus, wie wir (oder die meisten von uns, nehme ich an). Die Künstlichkeit dieser Welt und der Drang sich selbst ständig in Szene zu setzen kommt durch Meg als außenstehende Protagonistin sehr gut zur Geltung.

Obwohl wir natürlich am Anfang bereits ahnen, wie die Geschichte enden könnte (und ich sage hier bewusst „könnte“!),  schafft Toon es,  die Erzählung spannend und abwechslungsreich zu halten. Teilweise durch die Einführung von Christian, Johnnys bestem Freund, der gleichzeitig Geheimnisträger ist (er scheint etwas aus Johnnys Vergangenheit zu wissen, was Meg vorenthalten bleibt) und Konkurrent um Megs Aufmerksamkeit ist. Teilweise einfach, weil es sich bei „Du bist mein Stern“ um eine wahnsinnig coole und lustige Geschichte handelt, und wir natürlich alle gerne zumindest für einen Tag mal Meg wären. Schon alleine deshalb wird das Buch zum Page-Turner.

Auf das Ende möchte ich auch noch kurz eingehen, wobei ich versuchen werde, nicht zu spoilern. Ich bin mir sicher, dass Paige Toon mit diesem Ende einige Leser verschrecken wird. Sie baut über die Erzählung hinweg eine Erwartungshaltung auf, die am Ende ganz und gar nicht erfüllt wird, sondern, eher im Gegenteil, den Leser bewusst unbefriedigt und verwirrt (vielleicht auch ein wenig wütend) zurücklässt. Ich fand das Ende grandios! Es ist so erfrischend anders und viel näher am echten Leben.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch noch kurz über den Buchtitel wundern. Der hat nämlich weder mit dem englischen Original noch mit dem Inhalt des Buches sonderlich viel zu tun… „Johnny Be Good“ ist ein cleverer Wortwitz, der natürlich so auf deutsch nicht funktioniert, aber warum man deshalb vollkommen in die Schmalzkiste greifen und „Du bist mein Stern“ hervorziehen muss, bleibt mir schleierhaft. Also bitte nicht davon abschrecken lassen! Das Buch hält wesentlich mehr, als der Titel verspricht! Das ist leider bei fast alles Büchern von Paige Toon in der deutschen Übersetzung passiert.

Charaktere: Da ist zunächst einmal Meg, eine twenty-something Frau, die von einem Tag auf den anderen aus ihrem gewohnten Leben gerissen und in ein völlig anderes, auf einem anderen Kontinent, geworfen wird. Sie geht damit erstaunlich gelassen und selbstbewusst um, wofür ich sie als Leser bewundere und mich natürlich unweigerlich frage, wie ich in so einer Situation reagieren würde – vermutlich nicht halb so cool. Meg ist organisiert und strukturiert und klar – das ist wunderbar und für einen Rockstar bestimmt wichtig, aber manchmal nervt sie ein wenig mit ihrer fast schon mütterlichen Art. Ich als Leser stehe nämlich irgendwie auf Johnnys wilde Seite, und möchte gar nicht, dass Meg sie ihm austreibt. Manchmal reagiert die so bodenständige Meg dann auch fast verschüchtert, wenn sie sich mit Johnny auseinander setzen muss und ist in diesem Punkt nicht ganz kohärent, aber wer wäre das schon, wenn er mit einem Megastar zusammenarbeitet.

Johnny selbst ist der Inbegriff des Rockstars. Mal möchte man ihn schütteln, weil er sich verhält wie das letzte Arsch****, aber eigentlich verzeiht man ihm sofort. Durch Toons lebendige Schreibweise, wirkt der Star zwar anfangs unerreichbar, wird aber im Laufe des Buches immer menschlicher und zugänglicher, so dass ich als Leser mitempfinden konnte, was Meg fühlt. Jeder ist am Ende ein wenig verliebt in Johnny!

Christian – joa – Christian ist Johnnys Sidekick. Vielleicht die Art Mann, zu der Johnny geworden wäre, wenn er keinen Erfolg als Sänger hätte verbuchen können. Er ist der typische good guy. Nicht farblos, aber im Vergleich zu dem strahlenden bad boy Johnny eben ein wenig fad. Auch seine Geschichte bleibt ein wenig unausgereift, man weiß wenig über seine Vergangenheit mit Johnny und warum die beiden eigentlich noch befreundet sind. Trotzdem verleiht er der Geschichte einen Touch Realität und lässt sie nicht zu sehr abheben.

Sprache: Paige Toon hat einen wundervollen Schreibstil, der – ein Glück! – auch in der deutschen Übersetzung nicht verloren geht. Die Geschichte liest sich so flüssig, dass man das Buch an einem Nachmittag durchsuchten könnte. Durch ihre lebendige Sprache, schafft Toon es, den Leser völlig in ihre Welt hineinzuziehen. Es fällt leicht, uns mit den Charakteren zu identifizieren beziehungsweise eine Abneigung gegen andere zu entwickeln. Sie alle wirken lebendig, vielschichtig und „echt“. Darüber hinaus bleibt der Stil sehr nah an der Alltagssprache. Toon arbeitet viel mit wörtlicher Rede beziehungsweise inneren Monologen und schafft es in diesem Rahmen alltägliche Gespräche glaubhaft wiederzugeben. Dieses Stilmittel, und das Talent, Sprache gut in Schrift umzuwandeln lässt das Buch noch einmal lockerer und luftiger wirken.

Fazit: „Du bist mein Stern“ ist ein lockerer Liebesroman, der durch lebensechte Charaktere und einen aufgeweckten Schreibstil besticht. Man fühlt als Leser sehr stark mit den Figuren mit und kann wunderbar schmachten. Zwei Details, die ich bei Paige Toon Romanen immer besonders schätze sind:

  1.  Dadurch, dass sie als Autorin selbst sehr viel gereist ist und an vielen Orten gelebt hat, wirken ihre Landes- und Ortsbeschreibungen echt und einladend. Ich will jetzt auch nach L.A., verdammt!
  2.  Sie spinnt ein Netz durch all ihre Bücher, indem sie Hauptcharaktere des einen Romans als Nebencharaktere im nächsten Roman auftauchen lässt. Das sorgt für einen Wiedererkennungswert beim Leser. Ich persönlich freue mich immer, wenn ich „alte Bekannte“ in Toons Büchern wieder sehe, deren Geschichte ich bereits gelesen habe.

Alles in allem ein gelungenes Buch, seichte Lektüre für Zwischendurch und daher 4 von 5 Federkielen:

 

 

 

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