Lesung lit.Cologne – Jochen Schmidt und Roman Ehrlich

Lesung lit.cologne Tickets

Momentan befindet sich Köln im Literaturfieber. Noch bis zum 18. März bespaßt das jährliche Festival rund um Poesie und Prosa – die lit.Cologne- in der Rheinstadt Literaturbegeisterte wie mich. Wuhu!!!

Gestern habe ich es dann endlich, und nach einigen Hürden, zu meiner ersten Lesung geschafft. Einige Hürden deshalb, da die Ortsangabe auf meinen so vorfreudig erstandenen Eintrittskarten etwas missverständlich war. ‚Schauspiel Köln‘ stand da und dann irgendwas mit Depot. Okay, soweit kam ich noch mit. Nachdem ich das Gebäude relativ zielsicher ausgemacht hatte, begab ich mich ins Innere und – Oh Freude – der Saal war bereits geöffnet. Frohen Mutes stampfte ich hinein in die gute Stube, geradewegs vorbei an missmutig glotzenden Türstehern, und … wunderte mich, warum alle anderen zugewiesene Plätze hatten, nur ich nicht. Das Rätsel war relativ schnell gelöst. Ein zweiter Blick auf meine Karte verriet, dass ich mich im falschen Depot befand. Statt Roman Ehrlich und Jochen Schmidt hätte ich fast ein Jugendtheaterstück mit Ghettoblaster und Kaugummi bewundern dürfen. Ich frage mich, wann mir mein Missgeschick wohl aufgefallen wäre, hätte es die netten Platzanweiser nicht gegeben.

Lesung Jochen Schmidt – „Zuckersand“

Nachdem ich mich in letzter Sekunde auf meinen Platz geschmissen hatte, ging der Spaß los. Die Betonung liegt auf Spaß. Ehrlicher, unschuldiger Spaß. Jochen Schmidt schaffte es innerhalb von Sekunden, eigentlich bereits durch einen seiner ersten Sätze („Naja, ich bin Autor geworden, da irgendwann nichts anderes mehr übrig blieb. Ich kann eben nichts tolles.“) die Zuschauer für sich zu gewinnen und in seinen Bann zu ziehen. Mit einer Mischung aus Selbstironie und liebenswerter Verschrobenheit stellt er seinen neuen Roman „Zuckersand“ vor (ein Berliner Wort übrigens für den trockenen Sand, der oben auf dem Sandkasten liegt). In seinem neuen Werk versucht der Protagonist, ein Vater, der eine STudie über das Schöne anfertigt, aus der Ich-Perspektive seinem 2-jährigen Sohn die Welt zu erklären. Dabei geht es nicht um die großen Dinge, sondern um die ganz kleinen. Die vier Ausschnitte, die Schmidt im Laufe des Abends zum Besten gibt lassen mich mal laut auflachen, mal nostalgisch in der Vergangenheit schwelgen. Das Buch dreht sich um Situationen aus dem Leben. Momente, die wir alle kennen, aber an die wir uns nur selten erinnern, wie zum Beispiel die wahnsinnige Vielfalt öffentlicher Seifenspender.

„Es ist wichtig den Alltag wieder klarer wahrzunehmen“, sagt Schmidt und spricht mir damit aus der Seele. Direkt nach der Lesung bin ich zum Verkaufsstand marschiert und habe mir den Roman zugelegt. Das Wort „Alltagspoetik“ fiel im Laufe der Lesung und ich kann es kaum erwarten, die Poesie in meine nächsten Alltage einfließen zu lassen.

Lesung Roman Ehrlich – „Die fürchterlichenTage des schrecklichen Grauens“

Roman Ehrlich auf der lit.Cologne
Roman Ehrlich auf der lit.Cologne

Die zweite Lesung des 1live Klubbings auf der lit.cologne war von Jungautor Roman Ehrlich, der seinen druckfrischen Roman „Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens“ im Gepäck hatte. Ein Buch über die Produktion eines ganz besonderenHorrorfilms.  Im Zuge der Vorbereitung auf die Dreharbeiten will Redakteur Christian die größten Ängste seiner Protagonisten erkunden und schickt sie auf die Bühne mit der Bitte von Ihrer größten Furcht zu berichten. Auf 640 Seiten legen die Charaktere einen Seelenstriptease hin und lassen den Leser mit einem unwohligen, irgendwie bedrohlichen Gefühl zurück. Die Sprache, die Ehrlich für seinen Roman gewählt hat, ist philosophisch fast schon poetisch und mit mehr als 600 Seiten handelt es sich bei diesem Buch sicher nicht um leichte Kost – oder Fast-Food. Der Autor betonte, dass er mit seinem Buch kein klasscihes Portrait der Gesellschaft hat darstellen wollen, dass es ihm aber wichtig erschien, das Buch jetzt in dieser Zeit zu veröffentlichen. Angst spiele eine große Rolle in der heutigen Zeit.

Obwohl ich zugeben muss, dass ich den Roman gestern nicht direkt mitgenommen habe, finde ich Plot und das intermediale Zusammenspiel von Film und Buch im Medium Buch interessant und kann mir gut vorstellen, es zu lesen, wenn ich einmal Zeit finde, mich wirklich in das Werk hineinzudenken. Denn das muss ich abschließend sagen: Wo ich vom Titel her eine Komödie erwartet hätte, überraschte Ehrlich mit einem tiefgründigen, das Denken anregenden Werk.

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